{"id":1397,"date":"2024-06-29T18:12:11","date_gmt":"2024-06-29T16:12:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/?p=1397"},"modified":"2024-06-29T18:12:11","modified_gmt":"2024-06-29T16:12:11","slug":"aid-art-m-2024-judith-samen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/aid-art-m-2024-judith-samen\/","title":{"rendered":"AiD ART M 2024 &#8211; Judith Samen"},"content":{"rendered":"\n<p>Inszenierte Fotografie zieht sich als Hauptstrang durch Judith Samens Werk. Ihr Blick richtet sich auf die fl\u00fcchtigen Zust\u00e4nde des menschlichen Seins und Daseins. Ihr Interesse sammelt solche Momente, um die Zusammenh\u00e4nge verschiedener Lebensalter, verschiedener Generationen und der damit verbundenen menschlichen Beziehungen zu beleuchten. Die Requisiten ihrer Inszenierungen wurden in verschiedenen Traditionen immer wieder mit unterschiedlichen Bedeutungen beladen, so dass die Kommunikation ihrer Bilder mit Andeutungen, Mehrdeutigkeiten, Deutungsmustern, Deutungsversuchen, Deutungsmacht und Deutungshoheit spielt, ohne Deutungshoheit oder Deutungsmacht f\u00fcr sich in Anspruch  zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Judith Samens Arbeiten bauen einen Spannungsbogen zwischen Traditionen und Irritationen auf. Ihre Arbeiten werfen Fragen auf, geben aber keine Antworten, damit sich das eigenst\u00e4ndige Denken der Betrachterin und des Betrachters wie von selbst in Bewegung setzen kann. Ihre Bildsprache und die Kommunikation ist gerade wegen der fehlenden Deutungshoheit verbindlich.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Arbeit pflegt sie eigene Traditionen. Seit mehr als 25 Jahren ist sie immer wieder in ihrem \u201eextended studio\u201c in einem Haus in Amsterdam zu Gast. Das Haus steht seit 1640 und verf\u00fcgt \u00fcber eine K\u00fcche mit original Delfter Kacheln. Ihre erste Inszenierung in der K\u00fcche des Hauses entstand bereits 1994 und seither sind die Kacheln eine Quelle der Inspiration. Sie deuten jene zeitlose Stimmung und Intimit\u00e4t an, die an das Werk von Jan Vermeer van Delft erinnert. Vermeers Bild \u201ehet straatje\u201c zeigt zwar eine Hausansicht, aber der Vermeer kennende Betrachter vermutet im Haus auch eine K\u00fcche mit original Delfter Kacheln. Wer den eigenen Geist im Bild flanieren l\u00e4sst, bemerkt die zeitlose Stimmung, die Vermeers und Samens Bilder in der Intimit\u00e4t des eigenen Geistes hervorrufen .<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2020 ergaben sich mit dem Fund einer passenden Seidenbluse neue M\u00f6glichkeiten  und eine neue Bildkonstruktion. Neben den Kacheln mit ihren Ansichten der Delfter Welt  zeigt auch die Bluse passende Ornamente, Raster und Muster. Sie umgibt das Kind wie die Kulturen, die Traditionen und die Kontexte, in denen es aufw\u00e4chst. Welchen Einfluss \u00fcben sie auf das Kind aus? Engen sie die Entwicklung des Kindes zu sehr ein oder sch\u00fctzen sie es?  Ist es eher ein Spiel oder schon der Ernst des Lebens? Welche Rolle spielt dabei die Zeit und wird sie, in Anspielung an Friedrich Schiller, unser Engel sein? <\/p>\n\n\n\n<p>Apropos Engel, die quadratischen Stilikonen scheinen mit den sinnlichen Bez\u00fcgen von \u00c4pfeln und Trauben aus den Liebesliedern des alten Testaments zu spielen. Trotz der traditionellen Deutungen, Irritationen und Kontroversen, die das Hohelied Salomos im Christentum genauso wie in der Aufkl\u00e4rung bis in die heutige Zeit in vielen westlichen Traditionen ausgel\u00f6st hat, gelingt es den Bildern, die Irritationen und Kontroversen auch im fernen Osten und dem Rest der nicht christlichen Welt verst\u00e4ndlich zu machen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Bild &#8222;The Other Mother II\u201c scheint viele bereits angesprochene Bez\u00fcge aufzunehmen und sie aus einem weiteren Blickwinkel abzurunden. Im erz\u00e4hlerischen Kontext der Arbeit geht es um die Entwicklung von Rollenbildern \u00fcber viele Generationen hinweg, um Familienstreitigkeiten und entt\u00e4uschte Erwartungen, um Lebenstr\u00e4ume und das echte Leben; aber auch um die Heilung der dabei entstandenen Verletzungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Judith Samen tr\u00e4gt in &#8222;The Other Mother II\u201c das abgelegte Hochzeitskleid der verstorbenen Mutter einer befreundeten K\u00fcnstlerin. Das Hochzeitskleid war eine Generation lang verwahrt worden und stand nun vor der Entsorgung. Dieses Kleid und seine Funktion wird  untersucht und ihm kommt eine neue Rolle zu. Das Kleid einer anderen Mutter gelangt \u00fcber deren Tochter an die Mutter im Bild und es wird zum Bildanlass. Das Hochzeitskleid trug die andere Mutter, als sie noch keine Mutter war. Das abgelegte, aber emotional hoch aufgeladene Kleidungsst\u00fcck wird nun durch die Bildgebung einer neuen W\u00fcrdigung zugef\u00fchrt. Die Mutter im Bild tr\u00e4gt es in ihrer Verletzlichkeit stellvertretend f\u00fcr viele Andere  sowohl mit Scham als auch mit W\u00fcrde. Die Gesamtheit der Doppelungen vereinfacht die Komplexit\u00e4t der Beziehungen und bringt das Denken \u00fcber viele Generationen hinweg in Schwung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ralf Jochen Mose<\/strong>r<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1500\" height=\"1069\" src=\"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Samen_hetkeukentje1_1MBweb.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1400\" srcset=\"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Samen_hetkeukentje1_1MBweb.jpg 1500w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Samen_hetkeukentje1_1MBweb-150x107.jpg 150w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Samen_hetkeukentje1_1MBweb-768x547.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>o.T. (het_keukentje_1\/little_kitchen_1), 2020<br>Edition 10 (+ 2 EA.), Nr.4\/10, <br>47x 66 x 3 cm Ma\u00df incl. Rahmen<br>permanent Inkjet auf Hahnem\u00fchle Fine Art Baryta 325 auf 2 mm Alu-Dibond, Kassettenrahmen Nussbaum<br>3400 \u20ac<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1757\" height=\"1800\" src=\"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Aepfel12004_1MB-1757x1800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1401\" srcset=\"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Aepfel12004_1MB-1757x1800.jpg 1757w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Aepfel12004_1MB-1172x1200.jpg 1172w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Aepfel12004_1MB-146x150.jpg 146w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Aepfel12004_1MB-768x787.jpg 768w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Aepfel12004_1MB-1500x1536.jpg 1500w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Aepfel12004_1MB-1999x2048.jpg 1999w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>o.T. (\u00c4pfel), C-Print\/Diaplex, gl\u00e4nzend, 2004,<br>Ed. 5+1 EA., Nr. 3\/5, <br>60 x 60 cm, <br>4800 \u20ac<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1830\" height=\"1800\" src=\"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Trauben_1MB-1830x1800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1402\" srcset=\"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Trauben_1MB-1830x1800.jpg 1830w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Trauben_1MB-1220x1200.jpg 1220w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Trauben_1MB-150x148.jpg 150w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Trauben_1MB-768x755.jpg 768w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Trauben_1MB-1536x1511.jpg 1536w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/Trauben_1MB-2048x2014.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>o.T. (LillyF\u00fc\u00dfe\/Trauben),C-Print\/Diaplex, gl\u00e4nzend, 2004, <br>Ed. 5+1 EA., Nr. 4\/5, <br>60 x 60 cm, <br>4800 \u20ac<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"8903\" height=\"5935\" src=\"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/TheOtherMotherII_web_1-MB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1405\" srcset=\"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/TheOtherMotherII_web_1-MB.jpg 8903w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/TheOtherMotherII_web_1-MB-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/giftbox\/wp-content\/uploads\/TheOtherMotherII_web_1-MB-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 706px) 89vw, (max-width: 767px) 82vw, 740px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Judith Samen, &#8222;The Other Mother II\u201c, 2024, <br>Permanent InkJet-Print auf HM FineArt Pearl 285g, <br>30 x 45 x 3 cm, <br>Ed. 10<br>2250 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inszenierte Fotografie zieht sich als Hauptstrang durch Judith Samens Werk. 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