{"id":912,"date":"2020-04-25T14:54:13","date_gmt":"2020-04-25T12:54:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ateliersimdelta.de\/z42\/?p=912"},"modified":"2020-04-25T20:06:45","modified_gmt":"2020-04-25T18:06:45","slug":"zen-42-der-kuenstleringenieur-oder-wie-man-kuenstlerische-probleme-aufstellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/z42\/zen-42-der-kuenstleringenieur-oder-wie-man-kuenstlerische-probleme-aufstellt\/","title":{"rendered":"Zen 42 &#8211; Der K\u00fcnstleringenieur oder wie man k\u00fcnstlerische Probleme aufstellt"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit Leonardo da Vinci sollte eigentlich hinreichend bekannt sein, dass es sowohl f\u00fcr die Kunst als auch f\u00fcr die Ingenieurskunst vorteilhaft ist, sowohl K\u00fcnstler als auch Ingenieur zu sein. Beide geben Impulse, setzen Ideen in die Welt, tr\u00e4umen von einer besseren Zukunft, stellen Visionen auf und spr\u00fchen vor Phantasie und Kreativit\u00e4t, wenn sie \u00fcber einem Problem br\u00fcten. Gute Ingenieure und K\u00fcnstleringenieure gehen ihre Probleme ganzheitlich an, benutzen alle Sinne und alle bekannten Messverfahren und arbeiten mit allen relevanten wissenschaftlichen Ergebnissen. Insbesondere sind sie auf dem Stand der Technik und auf der H\u00f6he der wissenschaftlichen Erkenntnis ihrer Zeit und trotz aller Technik, steht der Mensch \u2013 direkt oder indirekt \u2013 im Mittelpunkt ihres Denkens.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bei ihrer Arbeit entwickeln gro\u00dfe K\u00fcnstler und gro\u00dfe Ingenieure seit Leonardo da Vinci sowohl eine au\u00dferordentliche Beharrlichkeit beim Stellen von Fragen (an ihre Probleme) als auch bei deren Beantwortung. Auf diese Weise k\u00f6nnen nachhaltige L\u00f6sungen entstehen, wenn Probleme durch Fragen und Antworten mit Hilfe von l\u00f6sungsneutralen Vergleichskriterien aufgestellt werden. Alexander Rodtschenko wollte ein K\u00fcnstleringenieur dieser Art sein. Auch am Bauhaus wurden \u00e4hnliche Ziele verfolgt. Es war aber Le Corbusier, der in dieser Zeit das Problem des Wohnens aufstellte und in der Architektur und der Kunst genauso vorging, wie es die Ingenieure im Maschinenbau machten.<\/p>\n\n\n\n<p>Le Corbusier d\u00fcrfte damit einer der ersten in der modernen Welt gewesen sein, der ein Problem der Kunst ingenieurwissenschaftlich aufgestellt hat. Betrachtet man die weitere Historie in den Ingenieurwissenschaften und der Architektur, und verfolgt manche Diskussionen in der Kunst, dann kann man mehrere Einsichten gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das l\u00f6sungsneutrale Aufstellen von Problemen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um ein Problem besser l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, ist es f\u00fcr einen K\u00fcnstleringenieur notwendig, es so neutral wie m\u00f6glich zu beschreiben. Ein Problem ist l\u00f6sungsneutral aufgestellt, wenn alle Kriterien beschrieben sind, mit denen die verschiedenen L\u00f6sungen verglichen werden k\u00f6nnen. Ein Vergleichskriterium ist l\u00f6sungsneutral, wenn es auf alle L\u00f6sungen anwendbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine Notwendigkeit besagt, wie das Problem aufzustellen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Stil einer L\u00f6sung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Verschiedene L\u00f6sungen k\u00f6nnen bei verschiedenen Vergleichskriterien ihren Schwerpunkt setzen. Durch das Setzen von Schwerpunkten bestimmen sie den Stil der L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergleichen von L\u00f6sungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Wahl der besten L\u00f6sung oder der besten L\u00f6sungen ist es entweder erforderlich, dass eine L\u00f6sung alle Vergleichskriterien besser erf\u00fcllt als alle anderen (objektiv) oder dass man die Wichtigkeit der Vergleichskriterien (subjektiv) bewertet. Es ist eher selten, dass eine L\u00f6sung bei allen Vergleichskriterien besser ist und so ist es der Normalfall, dass man nur mit subjektiven Bewertungen eine <em>beste<\/em> L\u00f6sung bestimmen kann. Objektiv betrachtet, gibt es meist keine beste L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Unterscheidung von Problem- und L\u00f6sungsr\u00e4umen in der Kunst:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Probleml\u00f6sungsprozess kann ein Problem im Zeitablauf immer besser und nachhaltiger aufgestellt werden, indem weitere Vergleichskriterien dazu kommen oder vorhandene ersetzt werden. Wenn man Probleme der Architektur ingenieurwissenschaftlich aufstellen kann, indem man Vergleichskriterien bestimmt, die nur den Problemraum aufspannen, den L\u00f6sungsraum aber hinreichend f\u00fcr verschiedene L\u00f6sungen offen lassen, dann kann man auch andere Probleme der Kunst in dieser Weise aufstellen.<a href=\"https:\/\/www.ateliersimdelta.de\/z42\/wp-admin\/post.php?post=7&amp;action=edit#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fortschritt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Werden Probleme immer besser l\u00f6sungsneutral aufgestellt, kann durch die unterschiedliche Stilbildung verschiedener K\u00fcnstler Fortschritt f\u00fcr alle Kunstinteressierten entstehen. Anzustreben ist deshalb ein Stil-Pluralismus, der die Kunstbed\u00fcrfnisse der Gesellschaft vollst\u00e4ndig abdeckt. F\u00fcr den Fortschritt werden immer wieder avantgardistische Stilrichtungen ben\u00f6tigt, die in den Mainstream eingehen, wenn die neuen Vergleichskriterien der Avantgarde f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Teile der Gesellschaft akzeptabel und damit relevant werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Ansatz \u00fcberzeugt, wenn der K\u00fcnstler \u2013 ohne auf den Kunstmarkt zu schielen und schon beim Erstellen in Rechnung zu stellen, was er verkaufen kann \u2013 neue Qualit\u00e4ten formuliert. Dieser Ansatz \u00fcberzeugt auch dann, wenn sich die Qualit\u00e4t nicht sofort durchsetzt, weil sie f\u00fcr die Zeit zu weit fortgeschritten, zu naiv oder sonst ein zeitgen\u00f6ssisches Manko enth\u00e4lt. Diesem Ansatz folgend, werden wir sp\u00e4ter das Problem des <em>Neuen Sehens<\/em> bezogen auf die Rodtschenko-Perspektiven l\u00f6sungsneutral aufstellen, indem wir die Vergleichskriterien des <em>Neuen Sehens<\/em> zur Beurteilung offen legen. Dabei werden wir uns insbesondere auf die neuen Perspektiven fokussieren, die Rodtschenko, Moholy-Nagy, Hausmann und andere beim Fotografieren mit den neuen Kleinbildkameras angewendet haben, weil sich diese Kriterien sehr einfach l\u00f6sungsneutral formulieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich geht das l\u00f6sungsneutrale Aufstellen von Problemen in der Kunst weit \u00fcber die Ans\u00e4tze des Bauhauses hinaus. Das l\u00f6sungsneutrale Aufstellen von Problemen und die Trennung von Problem und L\u00f6sungsraum war in dieser Zeit bestenfalls implizit im Denken verankert. Explizit wird es erst durch die umfassenden Arbeiten der modernen Ingenieurwissenschaft behandelt. Doch bevor wir das Problem des <em>Neuen Sehens <\/em>hinsichtlich der neuen Perspektiven aufstellen, werden wir noch das Vokabular zur Kameraperspektive einf\u00fchren, das wir im Weiteren verwenden m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche der Gespr\u00e4che aus dem Buch <em>Was ist gute Kunst?<\/em> k\u00f6nnen diesem Ansatz folgend gedeutet werden. Was ist gute Kunst?, 2009, Hrsg. Wolfram V\u00f6lcker, Vorwort von G\u00e9rard A. Goodrow, Zw\u00f6lf Museumskuratoren diskutieren, wie Qualit\u00e4t von Kunstwerken beurteilt werden kann, Texte von: Katja Albers, Kathrin Becker, Klaus Bu\u00dfmann, Alexander D\u00fcckers, Matthias Harder, Christoph Heinrich, Wulf Herzogenrath, Gudrun Inboden, Jeremy Lewison, Friedrich Meschede, Andreas Schalhorn, Michael Semff und Urs Stahel<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ateliers im Delta f\u00fchlen sich weder der Kunst noch der Wissenschaft alleine verpflichtet. Wir sind an den Grenzbereichen interessiert und finden sowohl <em>Wissenschaft als Kunst<\/em>, <em>Kunst als Wissenschaft<\/em> als auch jene <em>Ingenieurwissenschaften wie die Architektur und die Designwissenschaften<\/em>, die es geschaft haben Kunst und Wissenschaft zu vereinen, interessant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Leonardo da Vinci sollte eigentlich hinreichend bekannt sein, dass es sowohl f\u00fcr die Kunst als auch f\u00fcr die Ingenieurskunst vorteilhaft ist, sowohl K\u00fcnstler als auch Ingenieur zu sein. 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