Eden oder das verlorene Paradies


Eden, ein Kunstprojekt der Ateliers im Delta, steht für die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.Die künstlerischen Statements der zwölf beteiligten Künstler führen uns zurück zu den Anfängen der Menschheit: zu Adam, der gefügigen Eva und der verfluchten Lilith, die vor Eva Adams erste Frau war. Es geht um Geschlechterrollen, Weiblichkeit, Männlichkeit, Projektionsflächen für unsere Sehnsüchte und das Versorgungsparadies des Abendlandes. Eden nimmt an der WOW ART LU 2017 und an der OFF//FOTO 2017 teil.


Ort

Abrisshaus GAG
Bismarckstraße 70-74
67061 Ludwigshafen

Die Künstler und ihre Arbeiten

Die künstlerischen Statements der zwölf beteiligten Künstler führen uns zurück zu den Anfängen der Menschheit: zu Adam, der gefügigen Eva und der verfluchten Lilith, die vor Eva Adams erste Frau war. Es geht um Geschlechterrollen, Weiblichkeit, Männlichkeit, Projektionsflächen für unsere Sehnsüchte und das Versorgungsparadies des Abendlandes.  An Eden sind die folgenden Künstler beteiligt: Petra Arnold, René Burjack, Markus Kaesler, Ella Kehrer, Britta Kirst, Valentina Jaffé, Marcela García Marchant, Hannah Moser, Ralf Moser, Jaana Rau, Romana Rokvić und Björn Ruppert.

Petra Arnold – Für die Ewigkeit

Im Fokus Ihrer Arbeiten steht der Mensch. Das besondere Interesse gilt gesellschaftlichen Außenseitern, unkonventionellen Lebensweisen und Individualisten. Die Serie „Never Die“ schafft überdies eine Verbindung zwischen der Individualität des Polaroidmaterials und jener der Portraitierten. Fotografien machen die Vergänglichkeit eines Momentes spürbar, und dennoch wird das Motiv permanent aufgezeichnet. „Never Die“, hat eine Frau als Schriftzug auf das Dekolleté tätowiert. Für die Abgebildete ist „Niemals sterben“ eine Unsterblichkeit im Sinne von immer wieder auf(er)stehen (Nicht aufgeben!). Tattoos zeigen eine Verbundenheit für die Ewigkeit. Der Schmerz beim Tätowieren ist Teil des Rituals und gleicht einer Kreuzigung — die nach der Auferstehung ewiges Leben wie im Paradies als Heimat der Unsterblichkeit verspricht.

Markus Kaesler – where it all began


Der Wald befindet sich in ständiger Erneuerung, ist immer in Bewegung und niemals statisch. Die realistische fotografische Abbildung des Waldes oder des Ortes tritt in den Hintergrund und der Fotograf spielt mit der Alliteration von Wald und Wurzeln auf verschiedenen Assoziationsebenen. Die doppelte Bedeutung der Wurzeln initiiert eine doppelte Reise zurück: zurück zur Wiege der Menschheit und zurück zu den Anfängen der Fotografie. Die Grenzen zwischen Malerei und Fotografie verwischen und es geht entlang unserer Herkunft zurück nach Eden – where it all began.

Britta Kirst – discount


Im klassischen Stillleben des 17.Jahrhundert waren Früchte vor allem exotische, teure Luxusgüter, die sich nur die Reichen leisten konnten. Im Paradies gab es sie als Nahrung für den Menschen im Überfluss. Heute gibt es sie wieder im Überfluss. Standardisiert und kostengünstig sind sie zu jeder Jahreszeit im Discounter verfügbar. Ins Bewusstsein der Verbraucher drängen sich vermehrt Fragen z.B. nach Herkunfts- und Transportbedingungen. „Discount“ hat ebenso die Bedeutung „unberücksichtigt lassen“ und stellt die Fragen: „Inwieweit lassen sich ökologische Idealvorstellungen mit dem Alltag verbinden?“ und „Ist es – im Hinblick auf die Umwelt – das Paradies, immer alles zur Verfügung zu haben?“

Ella Kehrer – Lilith


Lilith gilt im jüdischen Glauben als die erste Frau Adams. Sie war wie Adam aus Lehm erschaffen worden und war ihm ebenbürtig. Sie wollte sich auch dann nicht unterordnen als Gott es von ihr forderte. Sie floh aus Eden und lebte mit Dämonen, mit denen sie auch Nachkommen zeugte. Liliths dämonische Nachkommen leben in den Frauen von heute weiter und Ella sucht in ihnen nach der Lilith von damals und erweckt sie durch ihre Bilder zu neuem Leben.

Valentina Jaffé – Canadian Island


In „Canadian Island“ erscheinen dem Betrachter drei einsame, ferne Inseln als Silhouetten am Horizont. Wie der Ort Eden bieten sie Zuflucht und Projektionsfläche. Sie erregen in uns Wünsche und Phantasien nach besseren Zeiten und Welten. „Canadian Island“ spielt mit der romantischen Vorstellung von Eden – die Arbeit zeigt einen scheinbar vollkommenen Ort in seinem Urzustand. Die drei Inseln erscheinen verheißungsvoll und sind doch karg und kaum groß genug um einem einzelnen Baum Lebensraum zu bieten.

Valentina Jaffé – Rumors about Eden

Während in „Canadian Island“ das Motiv der Insel mit unseren romantischen Vorstellungen des Paradieses spielt, zeigt die Arbeit „Rumors about Eden“ Vorstellungen, Fragen und Sorgen bezüglich eines Lebens nach dem Tod. Die Sprüche beschäftigen sich mit dem Ort Eden, der nicht nur viele Namen trägt, sondern von dem unzählige Texte, Gemälde und Filme erzählen. Aufgetrennt und offengelegt in Reagenzgläsern stellt Valentina Jaffé ihre eigene Position zum Ort Eden zur Schau.

Marcela García Marchant – Lilith


Gott schuf an Adams Seite eine Frau namens Lilith. Sie war ihm ebenbürtig und verstand sich als ein freies Wesen, dem Unterordnung völlig fremd war. Schließlich kam es zwischen Lilith, Adam und Gott, der ihnen beim Sex zusah, zu einem unversöhnlichen Streit als Lilith wie Adam beim Sex stets obenauf sein wollte. Lilith sprach darauf den geheimen Namen des Herren „Schem Hammeforasch“ aus und flog davon.
Adam bekam daraufhin die umgängliche Eva als neue Frau. Mit ihr führte er ein gutes und bequemes Leben. Als Lilithals Schlange zurück kam und  Eva bat die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen, hatte das Vergnügen wieder ein Ende. Mittlerweile hat Gott eingesehen, dass Lilith im Recht war und sie um Verzeihung gebeten. Da sie kein Arsch ist, hat sie Gott verziehen, ist beim Sex obenauf und wieder da.

Hannah Moser – Aura


Aura lebte ihre individuelle Freiheit als “jungfräuliche” Göttin, die sich keinem Mann zugehörig oder verpflichtet fühlte. Aura stammt aus Arkadien, jenem mythischen Ort des goldenen Zeitalters als Menschen unbelastet von mühsamer Arbeit und gesellschaftlichem Anpassungsdruck in Einklang mit einer idyllischen Natur als zufriedene und glückliche Hirten lebten. Arkadien ist der Ort auf den die Europäer ihre Idee von Eden und einer individuellen Freiheit projiziert haben. Aura erlebt ihre Vertreibung aus dem Paradies durch eine Vergewaltigung, nach der sie die Zwillinge „Tag“ und Nacht“ bekommt, die sie abwechselnd tötet und wieder zum Leben erweckt. Jeden Morgen tötet Aura die Nacht und haucht dem Tag ein neues Leben ein. Aura zeigt eine magische Welt, in der alles Lebendige in der Natur eine eingehauchte Aura besitzt.

Ralf Moser – Und erlöse uns von dem Übel


In der Arbeit “Und erlöse uns von dem Übel” treten Fotografien in einen Dialog mit kurzen Geschichten. Die Geschichten handeln von einer Frau O., einem Mann A., und einer Schlange. A und O  markieren nicht den Anfang und das Ende der Geschichten sondern den Anfang und den kreativen Neubeginn, der Generation für Generation die Unsterblichkeit von A. und O. erneuert. O. markiert in den Fotografien und in den Geschichten den Weg nach Eden mit ihrem Leidensweg. O. steht in diesem Sinne als Pars pro Toto für den Aufbruch zu einem neuen Eden.

Jaana Rau – Wimpernvideo


Haare sind uns oft eine vorsätzliche Zierde. Wenn sie stören, streichen wir sie uns aus dem Gesicht, binden sie nach hinten oder schneiden sie ab. Wenn sie lang genug sind, neigen wir aber auch dazu, uns hinter ihnen zu verstecken.
Was geschähe, wenn unsere Wimpern begännen zu wachsen, so lang wie unser Haar? Über unsere Augen und weiter darüber hinaus bis hinunter zum Kinn?
Das Schönheitsideal der langen Wimpern und Haare wird ins Absurde geführt und wirft so Fragen zu Weiblichkeit und Schönheit auf, die der Wind bis in den Garten Eden und dann in die ganze Welt hinaus trägt.

Romana Rokvić – Zwischenspiel


Romana illustriert Vorstellungen über die Stammeltern der Menschheit. Drei Komposit-Gesichter aus ihrer fortlaufenden Serie [relaˈt͜si̯on] bilden den Ausgangspunkt ihrer Arbeit. Ein Komposit-Gesicht fügt ein männliches und ein weibliches Gesicht auf einem Triptychon zusammen. Der Zugang zur schöpferischen Urkraft wird über eine auf/zu-Funktion des Triptychon demonstriert. Bei geöffnetem Triptychon überlagert die Illustration das Komposit-Gesicht und stellt die Individuen auf ihre Anfänge zurück.

Björn Ruppert – Eden


Das Bild zeigt einen verwilderten Garten über den Wolken, in dem ein Baum mit wirren Zweigen steht. Es ist die Welt eines Träumenden, der sich dem Betrachter zusammengekauert mit einem neugierigen Blick zuwendet. Unter dem Baum der Erkenntnis im modernen Garten Eden findet der Träumende Sicherheit und lebt den Traum mit all seinen Fehlern und Schwächen angenommen zu werden.